Nicaragua – der Süden

Nachdem ich eigentlich schon im 2009 nach Nicaragua wollte, im Zuge meiner Zentral Amerika Reise habe ich es nun endlich geschafft. Nach einer anstrengenden Anreise mit dem Bus (3 Stunden warten an der Grenze bei 37 Grad und nicht vorhandenem Schatten), war ich froh, dass ich in Rivas von Silvio abgeholt wurde. Silvio ist ein Nica der für einige Surfhäuser in Popoyo arbeitet und gleichzeitig Tours anbietet, ein lustiger Bursche auf jeden Fall.
Da das Surfen wieder einmal im Zentrum stand habe ich mich als Homebase für Popoyo entschieden. Popoyo oder besser gesagt Guasacate wie das naheliegende Örtchen heisst ist nicht so überlaufen wie San Juan del Sur (Partyplace) und beheimatet Weltklasse Wellen. Der Reefbreak ist nur 5 Minuten zu Fuss dem endlosen Strand entlang und direkt vor der Haustüre ist ein easy Beachbreak mit schnellen Wellen.

Popoyo – Guasacate

Guasacate ist ein endlos langer, wunderschöner Strand. Es sind vereinzeilt Surfhäuser dem Strand entlang auffindbar, ansonsten hat es nebst 2-3 kleinen Restaurants und einem Mini-Markt eigentlich nichts. Eine lange, staubige Schotterstrasse führt von Rivas nach Guasacate (eine Stunde Fahrt). Die Einheimischen wohnen etwas weiter im Land innen, da die meisten Angst vor dem Meer haben. Es gibt auch nicht soviele Locals die surfen, denn viele lernen nie schwimmen. Alle Surfhäuser und Hostels in Guasacate sind von Einwanderern betrieben, die vor langer Zeit das Herz an den Ort verloren haben. Die meisten Anghestellten sind aber Einheimische. Ich hatte mich bei zwei Italienern einquartiert, Filippo vom Club de Surf und Gianni vom Wild Wave Surf House. Beim ersten gibt es auch ein sehr leckeres Restaurant mit dreimal wöchentlich richtig italienischer Pizza. Ausser Surfen und Relaxen gibt es in Guasacate nicht viel zu tun, das heisst genügend Buddies mitnehmen. Stundelange Strandspaziergänge und spektakuläre Sonnenuntergänge runden jeweils den Tag ab. Da es auf dem Weg bis zur Playa Santana praktisch keine Schattenplätze gibt sollte man sich gut eincremen und Cap nicht vergessen.


Das Surfen

Popoyo – die perfekte A-Frame Riffwelle
Diese Welle ist der Grund dass so viele Surfer den langen Weg auf einer Schotterstrasse in Kauf nehmen. Viele sind zum Surfen gekommen und viele sind geblieben. Das Riff bringt hier perfekte A-Form Wellen heraus und diese teilweise in einer Grösse, dass man dann doch leicht nervös wird. Der Einstieg ist in der Mitte des Strandes zwischen den Steinen und Felsen. Das Rauspaddeln ist relativ easy, da die Welle weiter links und genug weit draussen bricht. Der Peak wechselt sich immer ein wenig ab, weiter links, weiter rechts, weiter draussen und dann mal eher in der Inside. Dank der zusätzlichen Strömung ist man in stetiger Bewegung. Da man aber auch selten alleine ist im Line-Up (nicht mal um halb 6 morgens), sondern sich mit 15-25 anderen, meist besseren Surfern messen muss, kommt man nicht allzu of in den Genuss einer perfekt brechenden Welle. Bei meinem Besuch waren grad 5-7 Fuss Wellen angesagt. Das war aber dann nach 15 schweisstreibender Minuten genug für mich. Habe dann lieber ein paar spektakuläre Wipeouts vom Strand aus beobachtet. Das Wichtigste beim Surfen ist, dass man sein Limit kennt. An einem kleiner Tag würde ich die Welle gerne reiten, denn sie kann richtig Spass machen.


Popoyo Beginner Beach
Unterhalb des Magrock bricht eine linke Welle. Die Felsen, die den Strandabschnitt begrenzen lösen diese Welle aus. Es ist der sogenannte Anfängerstrand, man sieht auch viele mit langen Brettern am üben. Da es am Riff zu  gross war und wir trotzdem noch ein paar Wellen reiten wollten sind wir bei brütender Hitze an das andere Strandende gelaufen. Leider war aber hier nicht viel vom bekannten Nicaragua Offshore Wind zu spüren sondern ein leichter Crosshore Wind verblies das Wasser komplett. Zusätzlich gab es eine extrem starke Strömung ins offene Meer raus, Richtung “Outer Reef”. Ich musste die letzten Kräfte einsetzen um mich seitich aus der Strömung befreien zu können. Die Session war dann auch nicht so intensiv, zuviel Wasser und Wind vermiesten den Trip.


Popoyo Outer Reef
Ich habe die Welle nicht in voller Action gesehen, da es anscheinend einen Swell ab 8 Fuss und höher braucht damit sie richtig rockt. Aber hier sei Vorsicht geboten, nicht ohne Grund heisst es “vas a pagar taxes” (Du wirst den Preis dafür zahlen). Sprich hier hat schon der ein oder andere das Riff geküsst.


Guasacate Beachbreak

Da der Fluss am Ende des Strandes zu diesem Zeitpunkt ausgetrocknet war, hatte es leider zu viel Sand und die Wellen sind daher am Beachbreak nicht so gut gelaufen. Viele Closeout Wellen und wenn mal eine schöne Schulter anrollte ist sie so schnell gebrochen, das man nicht mal einen gescheiten Turn hinkriegte. Alles in allem hat der Strand ein grosses Potenzial wenn die Swellrichtung und der Untergrund stimmt. Offshore hat es ja sowieso 360 Tage im Jahr, ein Faktor weniger zu beachten.


Granada

Die bei Touristen bekannte Kolonialstadt am Nicaragua See lockt mit Farbenfrohen Häusern und wunderbaren Aussichten auf umliegende Vulkane. Die emsige kleine Stadt ist wunderschön mit den Gässchen und den farbigen Häusern. Bei der Kirche kann man sogar auf den Kirchturm und eine spektakuläre Aussicht über die Dächer von Grenada auf den Vulkan Mombacho. Die Spitze des Vulkans sieht man so gut wie nie, immer hat eine kleine Wolkenkrone rund um den Krater. Wir hatten jedoch Glück und der gesamte Vulkan zeigt sich uns von seiner besten Seite. Da wir Grenada um die Mittagszeit erreicht hatten, wurden wir netten 40 Grad empfangen. Die Hitze war kaum erträglich, da hier kein Wind bläst. Nach einem spannenden Besuch im Schokoladenhaus (ja ich als Schweizer bin in Nicaragua ins Schokoladenhaus) war ich leicht angesäuselt, da ich ohne Frühstück die köstlichen mit Schokolade versetzten Rumsorten kosten musste. Ich habe einiges entdeckt, am Besten hat mir der Tee aus Kakaoschalen und Blättern geschmeckt, der wird im Winter die kalorienreiche heisse Schoggi mit Milch ersetzen.

Etwas ausserhalb Richtung See liegt die Bootsstation für einen Trip auf die Isletas. Über 360 Inseln liegen am Nicaragua See bei Grenada. Eine 40-minütige Tour mit dem Boot kostet 40$ und macht Spass. Wir haben Affen gesehen, verschiedene Vögel, die Villa der reichsten Familie von Nicaragua und wir hatten die ganze Zeit über eine perfekten Blick auf den Vulkan Mombacho. Der Guide war nicht so motiviert aber sonst war es eine nette Ausfahrt.

 


Catarina – Laguna de Apoyo

In Catarina sind wir nur einmal um das Zentrum gefahren, Silvio hat mir die Gässchen gezeigt und einige interessante Häuser (eines mit Schusslöchern aus der Kriegszeit). Beim Mirador oberhalb von Catarina hat man eine fantastische Aussicht über die Laguna de Apoyo, den Dschungel sowie auf den angrenzenden Nicaragua See. Rechts auf dem Foto unten sieht man übrigens den Vulkan Mombacho, welcher ja sonst selten ganz zu sehen ist. Der Süsswasser See der Lagune liegt idyllisch zwischen Wäldern versteckt und bietet ein wunderschönes Naturerlebnis. Für mich als Surfer schön anzuschauen, aber wieso am See wohnen wenn es ein paar Kilometer weiter wunderschöne Strände mit Wellen hat?

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Masaya – Volcan Masaya

Von Masaya habe ich eigentlich nur den Markt gesehen. Ein grosser, eckiger und überdeckter Platz mit hunderten von Marktständen die alle handgemachte Sachen aus Nicaragua anbieten. Farbige Hängematten, Stofftaschen mit den typischen Südamerikanischen Stoffen und die lokale Spezialität: Lederartikel. Wunderschöne Handtaschen und Gürtel, Brieftaschen und Schuhe in allen Lederarten und Farben sind erhältlich. Krokodilleder sticht besonders heraus, da das Material schön glänzt und seht tolle Einfärbungen hat. Aber mein Gewissen hat sich gegen exotische Sorten entschieden und ist beim altbewährten Kuhleder geblieben. Kaffee, Schmuck, Gewürze – alles was ein Marktliebhaber sich wünscht ist hier auffindbar, die Preise sind fair.
Wir fuhren dann aber weiter Richtung Vulkan Masaya, es lohnt sich eine Stunde vor Parköffnung für Nachttouren vor Ort zu sein, da man sonst stundenlang anstehen muss.
So habe ich mit meinem Local Guide Silvio eine Stunde bei Sonne und Regenschein vor dem Parkeingang gewartet, währenddessen ein kleines Kätzchen vor dem Überqueren einer Autobahn abgehalten und viel über das Land erfahren. Die Nachttour beginnt um 17.30 Uhr, wenn es langsam eindunkelt. Beim Parkeingang zahlt man 10$ Eintritt und kann dann die Strasse hochfahren Richtung Krater. Kurz vor dem Krater muss man noch einmal warten bis genügend Leute dort sind und die erste Gruppe ganz zum Krater fahren kann. Oben angekommen muss man noch fünf sechs Schritte machen und man steht bereits an der Mauer die den Krater umgibt. Tief unten sieht man das Lava brodeln, rotgefärbter Rauch steigt durch den Krater in die Höhe und es sieht einfach spektakulär aus. Leider muss man nach 10 Minuten bereits wieder ins Auto steigen und die Rückfahrt antreten. Denn die nächste Reisegruppe wartet bereits. Aber ich würde sagen es hat sich gelohnt, wann sieht man schon mal Lava so nah?

 

Und so ging ein langer und spannender Tag durch den Süden von Nicaragua zu Ende und Silvio hat mich wieder nach Guasacate gefahren. Mein kleiner Trip war viel zu kurz und ich werde definitiv nach Nicaragua zurückkehren mit einigen Freunden im Schlepptau. Denn die einsamen Strände machen definitiv mehr Spass mit ein paar Buddies.

 

 

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